"Ich glaube an Gott den Vater…“ das apostolische Glaubensbekenntnis ist eine großartige Zusammenfassung zentraler Inhalte des christlichen Glaubens. Um seine Entstehung gibt es eine interessante Legende, die Tyrannius Rufinus zu Beginn des 5. Jahrhunderts schriftlich festhielt: Die Apostel trafen sich noch einmal in Jerusalem, bevor sie loszogen, um aller Welt das Evangelium zu verkündigen. Es war ihnen wichtig, dass sie an den verschiedenen Orten nicht unterschiedliche Dinge lehrten. Deshalb nannte jeder einen für ihn wichtigen Aspekt des Glaubens. Aus der Zusammenstellung der 12 Aussagen entstand das Apostolikum als gültige Lehrgrundlage für alle. Auch wenn das Glaubensbekenntnis deutlich später entstand, ist es doch eine großartige Zusammenstellung zentraler Grundlagen des Glaubens.
Mich hat der Vergleich des Glaubensbekenntnisses mit einem Buch mit mathematischen Formeln fasziniert. Die Formeln wurden von schlauen Menschen entwickelt, aufgeschrieben und weitergegeben. Wer sie benutzt, kann knifflige Aufgaben lösen, auch wenn er kein Genie in Mathe ist.
Hinter dem Glaubensbekenntnis steht das Wissen von Menschen, die lange vor uns gelebt haben. Es besteht aus Glaubenswahrheiten, die vom Anfang der Kirche bestehen. Diese wurden festgehalten und von Generation zu Generation weitergegeben. So kann man Fragen des Glaubens erklären, auch wenn die Aussagen das eigene Verstehen weit übersteigen.
Aber so wenig ein Formelbuch das Rechnen ersetzt, ersetzt das Glaubensbekenntnis den Glauben. Beim Glauben an Jesus Christus geht es ja nicht nur um eine intellektuelle Bestätigung von theologischen Richtigkeiten. Wenn Jesus Menschen zum Glauben einlädt, dann ermutigt er sie, ihm ganz zu vertrauen. Sich in jeder Lage auf sein Wort zu verlassen. Und mit ihm und seiner Hilfe zu rechnen. Nur wer das wagt, kann Erfahrungen des Glaubens machen. Sonst bleibt alles fromme Theorie. Das hat schon die ersten Jesusleute herausgefordert und nicht selten überfordert.
Zu glauben, dass Jesus Wasser in Wein verwandelt.
Dass man auf sein Wort hin einen großen Fang machen kann.
Dass zwei Brote und fünf Fische reichen, um 5000 Männer satt zu bekommen.
Dass man durch ihn auch im Sturm auf dem Wasser gehen kann.
Man könnte die Liste noch sehr lang weiterführen. Die Berichte der Evangelien machen deutlich, dass das ganze Leben der Jünger eine große Glaubensschule war. Die Herausforderungen ändern sich, das Grundmuster des Glaubens bleibt dasselbe: Hören, vertrauen und tun stehen immer vor der Erfahrung. Deshalb will ich mich herausfordern lassen, mich auf Gottes Wort zu verlassen. Um zu erleben, dass auf ihn wirklich Verlass ist.
Ich will die Sorgen ihm überlassen – weil er versprochen hat, für mich zu sorgen.
Ich will die schuldhaften Belastungen bei ihm loslassen, weil er versprochen hat, mir zu vergeben.
Ich will mich auf den Impuls von Maria einlassen: „Was er euch sagt, das tut!“ Und dabei erleben, wie Jesus das Lebend spannend und abenteuerlich macht.
Ich will an Jesus glauben und möchte es erfahren, dass durch mein Leben „Ströme lebendigen Wassers fließen“.
ernst günter wenzler